Naturheilpraxis Vogelsberg

Heilpraktikerin Andrea Berninger

Blog

Wenn Liebe einengt - BITTE LASS MIR RAUM

Gepostet am 29. August 2016 um 1:00

Die große Liebe. Nur noch daran denken. Nur noch eines sehen. Nur noch dafür leben. Verwechseln wir da nicht etwas? Handelt es sich um Liebe? Oder sind wir blind oder fanatisch geworden, vielleicht egoistisch? Auch Partner brauchen Luft zum Atmen. Auch Kinder brauchen Freiräume. Da gehört eine Menge Vertrauen dazu. Und Selbstliebe. Wenn ich mich selbst nicht liebe, wie kann ich dann so auf meinen eigenen Beinen stehen, eine vollkommen runde Persönlichkeit bilden, dass ich den anderen, meinen Partner, meine Partnerin, mein Kind nicht als Stütze brauche. Ge-brauche?


Halten wir uns einmal vor Augen, was in einer idealen Kindheit geschieht. Zuerst werden wir gepflegt und aufgezogen, wahrlich bei jedem Schritt an die Hand genommen und geleitet. Später, wenn wir einige Kompetenzen entwickelt haben, lösen wir uns von der schützenden Hand der Eltern und entdecken die Welt. Immer mehr auf eigene Faust und selbstbestimmt. Wenn unsere Mutter oder Vater da nicht mitwachsen, ziehen oder zerren sie an uns. Wollen uns nicht frei geben. Wo ist dann die Möglichkeit, meiner Bestimmung zu folgen? Meine Fähigkeiten auszuloten? Die Welt auf meine ganz persönliche Art zu entdecken und meinen Charakter völlig eigen und kreativ auszufüllen?


Schauen wir auch mal auf Partnerschaften. Ist das anfängliche Kribbeln vergangen, bleiben manchmal Gewohnheiten, eingefahrene Wege, miteinander umzugehen – und auch Besitzansprüche. Das ist auf der einen Seite gut so, denn vielleicht haben wir zueinander öffentlich ja gesagt. Aber betrachten wir nochmals das Gefühl, dass man sich selbst genug sein darf, um seinen Partner auf Dauer nicht zu belasten, sondern als Paar miteinander durchs Leben zu gehen. Das ist weniger auf-einander lehnen, sich gegenseitig vielleicht sogar die Luft nehmen oder wehtun mit dem eigenen Gewicht. Es ist vielmehr wie beim Tanzen. Da ist jeder für sich Balance und beide bewegen sich mit-einander. Neben-einander. In-einander. Das ist wunderschön. Und je besser wir es beherrschen, desto interessanter und aufregender wird der Tanz. Jeder darf frei sein. Jeder muss sogar frei sein, sonst kommen wir aus dem Gleichgewicht oder würgen den Schwung ab.


Ja, ja, werden Sie womöglich sagen, was aber, wenn ich eben nicht in meiner eigenständigen Balance bin? So ist es ganz besonders wichtig, inne zu halten. Nehmen Sie sich ein paar Mal in der Woche einen Stift und ein weißes großes Blatt. Schreiben Sie all das auf, was Ihnen fehlt, was Sie bedrückt, was Sie beschäftigt und ängstigt. Notieren Sie, was Sie brauchen. Und was Sie ganz allein tun können, um Schritte in diese Richtung zu machen. Werden Sie ruhig konkret, nur Mut! Es können Banalitäten sein, Kleinigkeiten oder auch Großes. Vielleicht ein Bad nehmen im Kerzenlicht, eine Viertelstunde lesen, die Nägel maniküren. Einen kleinen Spaziergang machen. Oder die Beine im Bach baumeln lassen und dabei auf einem Grashalm pfeifen …


Achten Sie darauf, eine feine Linie zu ziehen zwischen Ihren Bedürfnissen und Nöten, dem, was von außen an Sie herangetragen wird und alldem, was Ihren Partner betrifft. Notieren Sie auch, was sich gebessert hat. Kringeln Sie es fett ein, was Sie gut gelöst haben. Seien Sie ruhig stolz auf Ihre Errungenschaften. Und suchen Sie sich Hilfe bei dem, was Sie nicht durchblicken. Manchmal braucht es die Ansicht einer nicht involvierten Person, schon werden die Dinge wieder klarer. Da lobt sich ein entspannendes Gespräch mit einer guten Freundin oder einem guten Freund. Wie dem auch sei: Zwei Dinge, die Sie notiert haben, die Sie selbst für Ihr Wohlgefühl tun können – tun Sie sie heute und morgen. Ohne Wenn und Aber. Und führen Sie dieses Ritual, etwas ungebunden für sich zu tun, mindestens zwei Monate weiter.


Die allzu große Liebe, von der wir manchmal reden, die uns förmlich zerreißt oder die wir um alles in der Welt zu brauchen scheinen, überlagert manchmal unseren wahren Wunsch, nämlich in uns selbst Frieden zu finden. Zu-Frieden-heit. Und mindert den Blick auf das, was ansteht: Vielleicht ist es Zeit, sein Kind loszulassen, es in das Erwachsenwerden zu entsenden. Mit allen Höhen, Tiefen, lichten und dunklen Momenten – an denen wir es nicht mehr zu schützen vermögen. Und dennoch werden wir da sein, so es der Himmel will. Wir werden zuhören, in den Arm nehmen, liebevolle Aufmerksamkeit schenken oder den ein oder anderen Gegenstand beisteuern. Was immer bleiben wird, ist die echte Liebe. Die Wärme im Inneren, die Verbundenheit. Auch, wenn unser Nachwuchs daran möglicherweise erst Jahrzehnte später denkt. 


Und unsere Partnerschaft? Ist sie wirklich balanciert? Tanzen wir miteinander und haben Spaß, wenigstens ab und zu? Falls Ihnen jetzt mehr Negatives als Positives einfallen sollte, besprechen Sie mit Ihrem oder Ihrer Liebsten, was Sie sich wünschen VON SICH SELBST. Entlasten Sie sich beide. Vergeben Sie sich Ihre Fehler. Entdecken Sie die Möglichkeiten, die Sie selbst jeweils haben, sich ins Gleichgewicht zu bringen. Und wertschätzen Sie die Stärken und die Pirouetten Ihres Gegenübers ruhig einmal mehr. Klinken Sie sich ein und finden Sie gemeinsame Rhythmen, zu denen Sie beide Lust haben, neue Kreise zu ziehen. Fangen Sie neu an. Alte Liebe rostet nicht. ;)


Leichtigkeit und Ausgeglichenheit bei allem, was wir diese Woche anpacken wünscht uns allen von Herzen

Ihre Andrea Berninger


Sie möchten einen Termin vereinbaren? Sie erreichen mich hier: 06638-91 88 568 oder über E-Mail: [email protected]

(Foto: Pixabay)

Kategorien: Keine